Bericht Teil 2,  Mit dem Dampfzug über die Furka-Bergstrecke

 

Für die Teilnehmer der diesjährigen Clubreise hatte die DFB den letzen Wagen reserviert. Natürlich gehörte uns damit auch die offene Bühne am Zugschluss. Was für ein Glück für Geniesser und Fotografen … Pünktlich begann die heutige Fahrt mit dem Dampfzug, gezogen von der DFB Zahnrad-Dampflok Nummer 9. Wir passierten das DFB Depot, fuhren parallel zur Schweigstrasse und folgten flußaufwärts dem Verlauf der Furkareuss.

Zeit kurz abzuschweifen und daran zu erinnern, daß hier einst die Witenwaserenreuss über die Ufer trat, die Schweigstrasse überflutete, das Gleisbett unterspülte und schwere Schäden verursachte. Die Bahntrasse führt auf der Wilerbrücke über die Furkareuss. Ein Streckenläufer entdeckte morgens noch rechtzeitig, daß die Brücke nicht mehr vorhanden war und verhinderte schlimmeres.

Wir fuhren weiter am Hang rechts der Reuss und passierten die Alt-Senntum Tunnel 3 bis 1 in Richtung der bekannten klappbaren Steffenbachbrücke. Die erste Brücke war noch gemauert, aber in einem Winter von einer Lawine zerstört worden. Von der Passstrasse aus kann man den Lawinenzug gut erkennen.

Nun erreichten wir die die Station Tiefenbach (es gibt drei verschiedene Schreibweisen). Hier können Züge kreuzen. Wir hielten zum Wassernehmen, genauer zum Bergquell-Wassernehmen. Ein entsprechender Wassersammelbehälter befindet sich oberhalb der Station. Parallel zur Bahntrasse verbindet ein Feldweg die Station mit einer Sennerei. Abschnittsweise führt der Weg auch über das Gleisbett. In Höhe der Sennerei erreichte unser Zug das Steinstaffelviadukt. Hier wechselten wir die Talseite.

Im weiteren Streckenverlauf gewannen wir stetig an Höhe. Nach Querung des Tiefenbachs erklomm Lok Nr. 9 mit ihren gepflegten roten Reisezugwagen den Bahnhof Furkapass.

Hier auf der Passhöhe hatten wir einen planmäßigen längeren Aufenthalt und kehrten in einem Zeltrestaurant zum Apéro ein. Serviert wurde eine typisch Schweizerisches Gericht, hier oben am Furka-Scheiteltunnel als „HG 4/4 704“ bezeichnet. Dahinter verstecken sich Hörnli und G’hacktes mit Apfelmuß und Parmesan. Wir orderten übrigens sicherheitshalber die Trennkostvariante, also Apfelmuss und Parmesan in separaten Schälchen … An der Kasse des Zeltrestaurants traf ich dann sogar noch einen Freund von der Furkasektion Rhein Neckar.

Gut gestärkt konnten wir alsbald unsere Fahrt fortsetzen. Zugführer und Schaffner drängten zum Einstieg. Mit einem kurzen Pfiff setzte sich unser Zug in Bewegung und fuhr in den 2160 m hochgelegenen und 1874 m langen Furka-Scheiteltunnel ein. Um die Fahrgäste vor Rauch zu schützen, mussten alle Fenster geschlossen sein und der Aufenthalt auf „unserer“ Bühne hinten, war nun bis zur Ausfahrt aus dem Tunnel ebenfalls nicht mehr gestattet.

Nach verlassen des Tunnels hielten wir an der Betriebsstelle Mittbach-Belvedere nur kurz und befuhren wenig später einen neu errichteten Streckenabschnitt und querten die Furkapass-Straße. Nach geänderten Vorschriften wurde eine Neutrassierung notwendig, um den Bahnübergang nun mit absenkbaren Zahnstangensegmenten zu versehen. Der Oberbau des alten Fahrweges war wegen der kargen Vegetation noch gut zu erkennen.

Als nächstens kamen wir an einer Unglücksstelle vorbei. An einem Fels erinnert ein Kreuz mit Inschrift an das Ereignis. Das Lokpersonal zieht die Mütze ab und erweist durch einen Pfiff drei tödlich Verunglückten die Ehre. Am 16. Mai 1965 erfasste eine Lawine Lok 10 mit einem Schneepflug der BVZ beim Schneeräumen und riss das Gespann tief in das Rhonetal.

Wir näherten uns nun der Siedlung Gletsch. Oberhalb von Gletsch sind noch Schienen und Schwellen des ersten Eisenbahnunternehmens BFD (Brig Furka Disentis) zu sehen. An dem Blauen Haus, einem früheren Hotel,vorbei. Früher schwenkte „Maria“ stets die Schweizer Fahne und begrüßte die Reisenden. Auch hing hier die Bettwäsche zum Lüften aus den Fenstern. Übrigens reichte einst der Rhonegletscher bis ans blaue Haus.

Im Bahnhof Gletsch fand wegen Waldbrandgefahr ein Lokwechsel statt. Die 1967 gebaute dieselelektrische Hgm 4/4 Nr. 61 löste die Dampflok ab.
Beim Anblick der Lok kamen mir Bedenken. Bei dieser Lok haben schon des öfteren die Bremsen versagt. Die Lok wurde am 25.9.2018 zwischen der Steffenbachbrücke und dem Alt-Senntumstunnel 1 abgestellt. Als der Lokführer sein Vesper von der Lok holen wollte, war sie weg. Die Lok rollte durch die Tunnels und entgleiste zum Glück bergseitig.

Nun, die Sorgen des Verfassers erwiesen sich als unbegründet. Wir setzten die Fahrt fort und passierten bei Ausfahrt des Bahnhofes Gletsch einen kleinen Lokschuppen, in welchem möglicherweise eine weitere Hge 4/4 zu sehen wäre. Nach erneuter Querung der Pass-Straße fuhren wir kurz darauf in einen Kreiskehrtunnel ein und näherten uns dem heute geschützten Föhrenwald oberhalb der Ortschaft Oberwald.

Wegen der hohen Waldbrandgefahr lässt sich hier die Trasse und Waldrand mittels einer fest installierten Spinkleranlage entsprechend der Gefährdung nässen und vor Entfachung eines Feuers schützen. Oberhalb der Gefahrenstellen gibt es dazu zwei Wassersammelstellen. Der nötige Wasserdruck zum Betrieb der Sprinkleranlage ergibt sich allein durch die höhere Lage, Pumpen sind daher nicht nötig.

Unser Zug näherte sich mit zuverlässig arbeitenden Bremsen den Endpunkt der Furka-Bergstrecke. Vor Einfahrt in den Bahnhof Oberwald kreuzten wir abschliessend nochmals die Strasse. Eine Besonderheit des mit Schranken gesicherten Bahnüberganges ist die absenkbare Zahnstange. Bei geschlossenen Schranken hebt ein Weichenantrieb die Stange an und schließt die Lücke im Verlauf des Zahnstangenabschnittes im Planum der Strasse.

In Oberwald verblieb uns ausreichend Zeit zu einem Spaziergang in den Ort, bis ein aufkommendes Gewitter mit lautem Getöse die Reisenden zum Zug zurückrief.
Wenig später traten wir die Rückreise an. Unser neues Mitglied, Ulrich Kumpf, genoss dabei sogleich eine Mitfahrt auf dem Führerstand der Diesellok bis zum Lokwechsel in Gletsch.

Ab Gletsch bespannte unsere Dampflok wieder den Zug. Nach der Vakuum-Bremsprobe setzte sich der Zug gemächlich in Bewegung. Von der Bühne unseres Waggons hatten wir jetzt den direkten Blick in den Führerstand der Lokomotive und konnten Heizer und Lokführer bei der Arbeit zusehen.

In der Station Muttbach Belvedere bekamen wir noch einen Rangiertraktor, Typ Tm, als Nachschubhilfe. Er wurde in der Station Furka abgekoppelt und fuhr wieder zurück.

Nach dem Eintreffen im Bahnhof Realp DFB endete ein erlebnisreicher Reisetag bei wieder schönstem Sommerwetter.

 

Von Bernd Bahnmüller mit Ergänzungen von Reinhard Schüler

Impressionen der Teilnehmer

Fotostrecke von Bernd Bahnmüller

Fotostrecke von Peter Brühwiler

Fotostrecke von Frieder Jehring

Fotostrecke von Reinhard Schüler

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