Unsere Fahrt mit dem Erlebniszug San Gottardo

 

Die Extrafahrt aus Sicht der Reisenden

Am zweiten Tag unserer Clubreise nahmen wir um 08.31 Uhr in Flüelen den Interregio Richtung Ariolo zur Anreise nach Erstfeld, wo die SBB-Historic-Fahrt über die Gotthard-Bergstrecke um 09:50 Uhr planmäßig starten sollte. Sicher ist sicher! Eine Stunde später hätte das auch noch funktioniert, aber uns ELF wird es beim Warten im Bahnhofsgelände nie langweilig – besonders wenn man, wie in der Schweiz üblich, mit regem Zugverkehr rechnen kann, und außerdem noch die Rangierarbeiten zur Bereitstellung des historischen Sonderzuges beobachtet möchte! Anders als bei der Busfahrt (Bahnersatzverkehr am Vortag) ist man nämlich schon nach 9 Minuten da. Für unsere Reisegruppe waren im IR26 sogar Plätze reserviert.

Die Gleisanlagen des Depots Erstfeld haben auch heute noch eine wesentliche betriebliche Bedeutung, doch hat diese sich gegenüber der Zeit der Krokodile, und auch der Zeit vor der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels, grundlegend gewandelt. Dort befindet sich keine reguläre Lokomotiv-Einsatzstelle mehr, und auch Verschubarbeiten für den Güterverkehr finden nicht mehr statt. Jetzt werden Bau-, Hilfs- und Rettungszüge bereit gehalten. Wir konnten im Freigelände zahlreiche solche Fahrzeuge sehen. Bei unserer Ankunft lag das Depot noch im Schatten der Berge, doch als der Extrazug gegen 09.15 Uhr zur Bereitstellung heraus gedrückt wurde, glänzte schon alles im herrlichsten Sonnenlicht.

Für uns interessant war die Feststellung, dass die Anwohner von Erstfeld, sollten sie einmal das Bedürfnis haben, schnell nach Bodio oder in das benachbarte Biasca im Tessin reisen zu wollen, gar keinen direkten „Nutzen“ vom Basistunnel haben, der ja bekanntlich von Erstfeld nach Bodio führt! Die Züge durch den Basistunnel lassen die Bahnhöfe Erstfeld, Bodio und Biasca „links liegen“, denn die Tunnelstrecke zweigt jeweils schon unterhalb der Bahnhöfe ab. Man muss dann also zwei mal umsteigen, um weiter talwärts den Zugang zum schnellen Zug zu finden. Das dauert dann 2 Stunden, während die Fahrt über die Bergstrecke ohne Umsteigen nur knapp anderthalb Stunden dauert. Um so erstaunter nahmen wir Berichte zur Kenntnis, nach denen sich die SBB vom Betrieb der Gotthard-Bergstrecke zurückziehen wird und künftig nur noch regionale Bahnunternehmen, wie die Südostbahn (SOB), den Personenverkehr durchführen werden. Angesichts der historischen Bedeutung dieser Strecke erscheint es unverständlich, dass sich die SBB von ihrem eigenen Erbe loslöst.

Am Hausbahnsteig hatten sich inzwischen weitere SBB-Historic-Reisende eingefunden, und am bereitgestellten Zug wurde „fieberhaft“ nach den vermeintlich reservierten Plätzen gefahndet. Nur unseren ELF-Kollegen Reinhard Schüler betraf die Sorge um einen Sitzplatz nicht, denn er hatte das besondere Ticket für den Kroki-Führerstand.

Als mitverantwortlicher Reise-Fotograf ging ich natürlich zur Lok, um seinen Zustieg zu dokumentieren, doch darauf mussten wir auf Geheiß des technischen Personals (erkennbar an orangefarbenen Warnwesten) noch warten.

Die Frage nach den Sitzplätzen blieb für mich daher weiter offen … Während es für andere Gruppen Reservierungen gab, wurden wir von Begleitpersonal (weiße Warnwesten) auf eine freie Platzwahl verwiesen (Anmerkung RS: Dies entsprach in der Tat der Tage zuvor auf Nachfrage bei SBB Historic erhaltenen Auskunft).

Inzwischen traf unser Schweizer Stammtischleiter und Club-Mitgründer Heini Billeter, aus Zürich ein, um diese Fahrt mit uns gemeinsam zu erleben. Die Begrüßung war äußerst herzlich, aber „Corona-vorsichtig“.

Kurz entschlossen legten unsere Damen dann fest, dass wir im Speisewagen Platz nehmen, was die Zugbegleiter auch gestatteten. Nun, wie sich zeigte, diente er zwar als Getränkelager, doch Speisen wurden auf dieser Fahrt gar nicht serviert. Die Plätze waren also „ganz normal“. Tische fanden sich auch in den anderen Wagen des Zuges; im übrigen erwiesen sich diese Tische für das Fotografieren am offenen Fenster durch ihre Breite recht hinderlich, denn man kann sich nicht aufrecht ans Fenster stellen.

Nach der Überholung durch einen Regelzug ging die Fahrt dann wenige Minuten hinter Plan los. Ein „Reiseleiter“ von SBB Historic betrat „unseren“ Restaurant-Wagen, begrüßte uns und gab eine kurze Einführung zur bevorstehenden Fahrt. Er schloss mit dem Hinweis, dass die Durchsage-Anlage für diesen Wagen leider nicht zur Verfügung stünde, denn er würde während der Reise weitere Erläuterungen zu interessanten Sehenswürdigkeiten geben. Das fanden wir nun zwar etwas „unglücklich“, aber … wir hatten ja „alte Hasen“ (Schweizer und mehrfache Schweiz-Touristen) unter uns und deshalb keine wirkliche Sorge, etwas Wichtiges zu verpassen.

Die bekannten Sehenswürdigkeiten hier zu beschreiben, wäre müßig; das findet man auch anderswo im Internet und in der Literatur. Der Zug fährt extra für die Mitreisenden zum Genuss der Fahrt, deutlich langsamer als heutige Garnituren (ca. 50 km/h). Man hat also größere Chancen, die höchst interessanten Blickachsen auf dem verschlungenen Streckenverlauf und die markanten Objekte wie die Kirche von Wassen oder die alten Kabelbuden entlang der Strecke im Foto festzuhalten, als es beim „Flug“ mit dem IR durchs geschlossene Fenster gelingt. Die Fotostrecken dokumentieren dies sicher eindrücklich.

Der Bahnhof Göschenen am Nordportal des Gotthard-Scheiteltunnels zeigte sich als eine riesige Baustelle. Bis auf ein durchgehendes Gleis und ein Umfahr-Gleis waren alle weiteren Normalspur-Gleise unterbrochen und im Bereich des Güterbahnhofs abgebrochen. Es zeichneten sich große neue Betonflächen ab, auf die offenbar auch wieder Gleise verlegt werden sollen. Dennoch wird der Bahnhof mit Sicherheit gegenüber früheren Zeiten nur signifikant „abgemagert“ wieder erstehen.

Uns fiel auf, dass wir streckenweise statt des regulären linken Gleises das rechte Gleis befuhren; einmal von Erstfeld bis Wassen, und dann nochmals im zweiten Abschnitt des Scheiteltunnels. Die befragten SBB-Historic-Mitarbeiter fanden daran allerdings nichts Besonderes sondern erklärten, dass die Strecke halt signaltechnisch für freizügige Gleiswechsel ausgebaut ist. Auffällig erschien uns weiterhin, dass der Scheiteltunnel durchgängig mit LED-Lampen beleuchtet ist – das kennt man von anderen Eisenbahntunnels eher nicht.

Im Tessin an der Südrampe war die Temperatur zu Mittag dann schlagartig höher als am Morgen in Uri. Hinter Airolo passierten wir talwärts die zwei eindrucksvollen Kreiskehrtunnel, dann hielt unser Zug 11.35 Uhr aus betrieblichen Gründen im Bahnhof Faido.

Nach einer planmäßigen Überholung erwarteten wir unmittelbar die Weiterfahrt – doch stattdessen bemerkte ich, aus dem Fenster des letzten Wagens schauend, dass am Kroki mehrfach der Bügel gehoben und wieder gesenkt wurde, begleitet von Druckluftgeräuschen und dem immer wieder kurz anlaufenden Kompressor. Offenbar lag eine Störung an der Lok vor – unser Führerstandsmitfahrer kann aus erster Hand dazu berichten.

Wir bekamen die Information, dass die Fahrt erst um 15.00 Uhr fortgesetzt werden kann. Viele Passgiere gingen zur Kroki-Lok, die Condukteure in ihren historischen Uniformen waren mit der Sicherung der Reisenden (Warnung beim Überschreiten der weißen Bahnsteigmarkierung) voll beschäftigt. Heini nahm den nächsten Regionalexpress (TILO ETR524), um wieder nach Hause zu fahren. Wir verabschiedeten unseren Gründungsvater und begaben uns anschließend hinunter in den kleinen Ort, um zum Mittagessen in ein nettes Lokal einzukehren.

Natürlich waren wir rechtzeitig – mit Reserve – wieder am Bahnhof. So konnten wir die Ankunft der Museumslok Ae 6/6 11411 „Zug“ aus Erstfeld beobachten, die unserer Komposition nun vorgespannt wurde und uns zunächst weiter nach Lavorgo brachte. Leider war die Zeit zu weit fortgeschritten, um noch durch die beiden weiteren Kreiskehrtunnel bis nach Bodio zu fahren – ein Grund, sich später wieder einmal zum Bereisen dieser „wirklichen“ Gotthard-Strecke aufzuraffen! 11411 setzte um und es ging gegen 15.25 Uhr zurück nach Erstfeld. Wie schön, den Fahrtwind im Zug zu spüren und nicht in der langen Autoschlange auf der Autobahn zu stehen!

Zwischen Amsteg-Silenen und Erstfeld überholte uns rechts ein TILO ETR524, doch kaum war er vorbei, fiel er wieder zurück. Der RE4320 musste am Einfahrtsignal Erstfeld warten, da sich die Fahrstraßen zu den beiden Zielbahnsteigen überkreuzten.

Für ELF charakteristisch, versuchten wir nicht, in Eile den nächstmöglichen Anschluss nach Flüelen zu erhaschen. Nein, wir fingen noch die Eindrücke vom Abrüsten des Extrazugs und dessen Verschub ins Depot ein, bevor wir den nächsten sich bietenden Bahnersatz-Bus benutzten. Während der Fahrt kaum wahrzunehmen, hörten wir beim häufigen Anfahren und Abbremsen im Verschubdienst die markanten Klänge des mit Druckluft arbeitenden Schaltwerks der Ae 6/6 zum Abschied von der historischen elektrischen Traktion.

 

Berichterstatter: Katrin & Frieder Jehring

Quellenangaben zum Bericht:

Die Gotthardbahn (Teil 1), Lokifahrer, URL 2020: http://www.lokifahrer.ch/Strecken/gotthardbahn-1.htm

Gotthardbahn, Wikipedia, URL 2020: https://de.wikipedia.org/wiki/Gotthardbahn

Die Gotthard-Bergstrecke, Ticino, URL 2020: https://www.ticino.ch/de/commons/details/Die-Gotthard-Bergstrecke/140209.html

Willkommen auf der Gotthardbahn, Waldis Carl, URL 2020: https://www.gotthardbahn.ch und hier speziell auch Überlegungen zur Zukunft der Gotthard-Bergstrecke 
https://www.gotthardbahn.ch/2_geschichte/kap15/kap15.htm

Gotthardfahrt des Krokodils mit Hindernissen, Waldis Carl, URL 2020: https://www.gotthardbahn.ch/7_news/7-news.htm

Welche Zukunft hat die Bergstrecke der Gotthard-Bahn?, Swissinfo, URL 2020: https://www.swissinfo.ch/ger/kultur/unesco-welterbe_welche-zukunft-hat-die-bergstrecke-der-gotthard-bahn-/41126674

An der Gotthard-Bergstrecke: Das neue Leben mit dem Basistunnel, Radio SRF 1, URL 2020: https://www.srf.ch/radio-srf-1/radio-srf-1/gotthard-bergstrecke-an-der-gotthard-bergstrecke-das-neue-leben-mit-dem-basistunnel  speziell auch etwas weiter unten „5. Wassen – Tote Hose“

SOB Südostbahn, URL 2020: https://www.sob.ch/

Treni Regionali Ticino Lombardia (Regionalzüge Tessin Lombardei), URL 2020: https://www.tilo.ch/de/

Auf dem Führerstand des Krokodils – mit Lok Ce 6/8 II 14253 über den Gotthard

 

Für uns Ehrenlokführer ist das Fahren einer Dampflok unter Aufsicht in guter Erinnerung. Einmal auf dem Führerstand einer Loklegende über eine der einst wichtigsten europäischen Magistrale zu reisen, blieb lange eine Traum. 

Im vergangenen Jahr erlebte ich die Jubiläumsfahrt zum hundertsten Geburtstag der Schweizer Krokodile und im Januar dieses Jahres entdeckte meine Frau Inge im Verkehrshaus Luzern einen Prospekt von SBB Historic mit Offerten zu zahlreichen Führerstandsmitfahrten. Da war es geschehen! Über Nacht entschied ich mich zur Mitfahrt, meldete mich an und erhielt umgehend eine Zusage meiner Buchung.

Ebenso schnell entschieden sich weitere Clubmitglieder zur Teilnahme an dieser Fahrt. Wenig später entwickelte sich daraus ein vollwertiges Programm zu einer Kurzreise für uns Eisenbahnfreunde.

Und dann kam Corona und alles war wieder ungewiss. Während ein kleines unsichtbares brandgefährliches Virus die Berichterstattung in Presse, Funk und Fernsehen dominierte und uns das tragische Geschehen der Pandemie im eigenen Land und in unseren Nachbarländern erschütterten ließ, besann ich mich auf die Gaußsche Normalverteilung, eine wichtige mathematische Beurteilung zum Verlauf des Normalen und von Ereignissen. Damit stieg die Hoffnung auf Entspannung im Sommer, nachdem sich im Mai ein möglicher Wendepunkt in der Entwicklung erkennen ließ. So kam es dann auch, Grenzen wurden geöffnet, und heute sind wir nun hier am Bahnhof in Erstfeld.

Die Fahrt kann beginnen. Doch halt – die Fahrt nur mit Maske und Fiebermessung auf dem Bahnsteig! Vorher noch schnell die Hände desinfizieren. Die Prozedur bleibt nicht unbemerkt und wird von Peter Brühwiler und Frieder Jehring im Bild dokumentiert.

Dann der Aufstieg in das Heiligtum des Krokodils. Rechts der Meister, meine Begleiter links und ich mit gutem Blick auf den langen Vorbau durch das eher kleine Frontfenster.

Ruhig und konzentriert geht es zu. Das Signal zeigt bereits „Frei“ und alle warten auf den Pfiff des Zugführers. Der kommt und unser Lokifahrer löst die Bremsen und schaltet mit dem Handrad Umdrehung für Umdrehung die Leistung auf. Sanft setzte sich das Krokodil in Bewegung und fährt gleich nach dem Bahnhof in die erste Steigung der Gotthard-Nordrampe. Der Weg ist heute das Ziel!

Worauf soll ich mich nun konzentrieren? Auf die Beobachtung des Meisters bei der Betätigung der Stufenschaltung, auf die Betätigung der Bremsen, auf die Sicherheitsfahrschaltung, auf die Anzeigeinstrumente? Nein, immer wieder verfolgen die Augen den Streckenverlauf.

Regelmäßig erscheinen Signalbrücken und in den Bahnhöfen auch die kleinen mehrbegriffigen Sperrsignale, allesamt in Fahrtrichtung links am Gleis stehend. In der Schweiz wird im Linksverkehr gefahren, dennoch steht der Lokführer zumindest auf den Altbaulokomotiven rechts. Er muss die Stellung der kleinen Zwergsignale also weitaus früher sehen und sicher deuten, insbesondere hier auf dem Krokodil wegen des langen Vorbaus, der doch einiges an Sicht nimmt.

Die Lok fährt gleichmäßig und ruhig, aber ich meine auch ein wenig den Stangenantrieb zu spüren und vergleiche die vermeintlichen Bewegungen mit den Dampfloks der Harzer Schmalspurbahnen. Dabei bemerke ich, daß der im Harz übliche Signalzuruf hier nicht praktiziert wird.

Herr Schlatter, einer meiner Begleiter, macht mich immer wieder auf Besonderheiten an der Strecke aufmerksam. Dann und wann versuche ich auch ein Foto – ob es den Meister stört?

Viel zu schnell erreichen wir die Kehrschleifen bei Wassen. Mich faszinieren dabei die Ein- und Ausfahrten der Kreiskehrtunnel. Die Türfenster sind weit geöffnet und in den Tunneln hört man das kraftvolle Geräusch des Stangenantriebs besonders gut. Was für ein Erlebnis für die Sinne eines Eisenbahnfreundes!
Wir erreichen den Bahnhof Göschenen und haben einen kurzen Aufenthalt. Ich blicke aus dem Frontfenster in die beiden Portale des altehrwürdigen Gotthardtunnels und auf einen einfahrenden Zug der Matterhorn-Gotthardbahn, welcher von Andermatt auf der steilen Zahnstangenstrecke den Abstieg befährt und nun gleich in Göschenen halten wird.

Auf dem Bahnsteig versammeln sich zahlreiche Fahrgäste unseres Erlebniszuges und sicher auch Fotografen, die sogenannten „Trainspotter“. Alle auf der Jagd nach dem besten Foto!

Die Mannschaft kommt zurück auf die Lok und wir fahren auf dem linken Gleis in den Tunnel ein. Der Tunnel ist gut ausgeleuchtet und links und rechts huschen die vielen Schutznischen am Fenster vorbei. Ein Gegenzug kreuzt, bevor wir über eine Weichenverbindung auf das rechte Gleis wechseln.

Haben wir schon die Tunnelmitte erreicht? Wo ist der in den Chroniken beschriebene Absatz an der Stelle des Durchbruchs?

Auf der Lok ist es ganz still. Alle blicken in das dunkle Nichts. Kein Wort – nur fahren! Ich frage Herrn Schlatter, wie oft er diesen Tunnel schon befahren hat, er weiß es nicht, aber ich spüre seine Begeisterung und vielleicht auch immer noch ein wenig Ehrfurcht vor diesem Bauwerk, so als würde er die Durchfahrt heute so wie ich erleben.

Wieder kreuzt ein Triebwagen und wir fahren weiter durch den schier endlosen Tunnel, über dessen Bau und Bedeutung schon so viel geschrieben wurde. Ich denke an den Spielfilm, der vor wenigen Tagen noch im Fernsehen lief.

Der Meister prüft nun seine Bremsen. Herr Schlatter erklärt, dass immer zum Ende des Tunnels eine Überprüfung der Bremsen zwingend vorgeschrieben ist, bevor die Lokomotiven in die Gefällestrecken einfahren.

Vor uns schimmert nun zunehmend Tageslicht in die Röhre. In einem leichten Linksbogen erreichen wir Airolo im Tessin pünktlich zu einem kurzen planmäßigen Aufenthalt.

Wieder versammeln sich die Leute vor der Lok, wieder viele Fotos. Ja, so sieht das also aus, denke ich, wohlwissend, daß ich da sonst ja auch immer dabei bin. Ich beobachte ein wenig das Geschehen, während das Lokpersonal die Stangen prüft und die Lager schmiert. Werden unsere Teilnehmer hinten aus dem Zug auch gute Bilder machen?

Nun geht es weiter. Vor uns liegt der steile Abstieg in Richtung Bodio. Der Streckenverlauf ist ebenso imposant wie auf der Nordrampe. Wieder geht es durch Kreiskehrtunnel hinab, in das Tal des Ticino.

Wir erreichen Faido und halten am linken Gleis des Mittelbahnsteiges. Kurzer planmäßiger Halt, oder ?

Der Meister erhält seinen Abfahrauftrag, löst die Bremse und schaltet auf. Und dann macht der Hauptschalter nicht mit! Also Bremse anlegen und Handrad zurück, neuer Versuch, Bremse lösen, Leistung aufschalten, Hauptschalter und Ruhe …

Hat hinten jemand was gemerkt? Und nun kommt die unglaubliche Routine und das Fachwissen des gesamten Lokpersonals ins Spiel – ohne Laptop – ohne Handbuch. Ohne viele Worte suchen sie konzentriert nach dem Fehler, keine Aufregung, es sind erfahrene Fachleute, sie kennen ihre Maschinen.

Also Pantograph runter, Hauptschalter aus, Rückwand ab und Inspektion der Schalteinrichtungen, ebenso im Maschinenraum vom Seitengang aus. Rückwand wieder vor. Personalsicherung, Stromabnehmer anlegen, Hauptschalter, Leistung und … sie ahnen es – leider nichts.

Genauso, wie auf der heimischen Modellbahn, wenn man etwas zeigen will, oder wenn der neu eingebaute Decoder abraucht, denke ich.

Doch alle Bemühungen führten nicht zum Erfolg. Daher orderte Herr Schlatter aus Erstfeld eine Ae 6/6 zur Fortsetzung der Fahrt. Nein, er orderte nicht eine Ae 6/6, sondern seine, die 11411!

Also bleibt nichts anderes übrig, als in Faido abzuwarten. Ich bedanke mich für meine Mitfahrt und steige über die Tür des anderen Führerstandes von der inzwischen liebgewonnenen Lok ab und werde sicher noch lange auf ein unvergessliches Erlebnis zurück blicken.

Aber noch ist unsere Fahrt ja noch nicht zu Ende! Das Krokodil steht in bester Position, daher verzichte ich auf einen „Landgang“ in den Ort und verbleibe mit der Kamera am Zug …

 

Nochmals vielen Dank an SBB Historic und an das Team Erstfeld für den heutigen Tag. Mögen eure Mühen und Fahrzeuge die Eisenbahnfreunde aus aller Welt noch über viele Jahre erfreuen.

 

Noch schnell zum Schluss:

…  nur wenige Tage später:

‘Hallo Herr Schüler

Zu Ihrer Info: Krokodil funktioniert seit zwei Stunden wieder, so als wäre nie etwas gewesen. Das Problem lag an der Halteklinke, die nicht richtig einrastete. Auf den beigefügten Bildern erkennt man die halbrunde längliche Hälfte der Klinke, die im arretierten und eingeschalteten Zustand die andere Seite, nämlich die kleine, durch einen Splint gesicherte Rolle aufnehmen muss. Dies war nicht der Fall, weshalb es immer beim Einschaltversuch blieb.

Gruss
Robert Schlatter’ per E-Mail

Ist es nicht schön, als Gast soviel Engagement zu erleben? Wir kommen wieder!

 

Erinnerungen von Reinhard Schüler

Impressionen der Clubteilnehmer

Fotostrecke von Katrin und Frieder Jehring:

Fotostrecke von Peter Brühwiler:

Bedingungen für eine Führerstandsmitfahrt in Coronazeiten – Maske und Fiebermessen

© Aufnahmen von Peter Brühwiler:

Vom Führerstand der Ce 6/8 II 14352, von Reinhard Schüler:

Auf den Bahnhöfen, von Reinhard Schüler:

Fahrkarte zur Fahrt mit dem Erlebniszug „San Gottardo”:

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Zertifikat zur Führerstandsmitfahrt:

Fotos: © Peter Brühwiler

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Anordnung SBB-P (Charter), Historic – Erlebniszug San Gottardo August (einschließlich Buchfahrplan und Fahrzeugliste):

Zur Ansicht des gesamten Dokuments:

https://dr-ehrenlokfuehrer.de/wp-content/uploads/2020/08/2020-08-08_San-Gottardo.pdf 

Quelle: SBB Historic – Team Erstfeld

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