Stand: 24.10.2026     Aktuell in Arbeit

Unsere Erstfahrt mit dem SVT Görlitz

von Frieder Jehring, Pirna

Liebe Besucher unseres Internetauftritts, wie Sie seit unserer NFS-Ausgabe 3/19 S.14 wahrscheinlich wissen, verfolgte ich das Projekt der Wiederinbetriebnahme des DR-Schnell-Verbrennungs-Triebwagen-Zuges VT 18.16 sehr aufmerksam und ich ließ Sie als NFS-Redakteur an den Fortschritten und Hindernissen immer wieder teilhaben. Nun haben die ersten Publikumsfahrten tatsächlich stattgefunden, und ich durfte direkt dabei sein – sogar durch für uns glückliche Umstände gemeinsam mit meiner, auch in Sachen Eisenbahnhobby, treuen „Beifrau“ Katrin. Lasst mich euch nun mitnehmen auf meine lange persönliche „Zugverbindung“ zu dieser legendären Baureihe.

Anmerkung vorab: Meine selbst erbrachte Leistung für die Wiederinbetriebnahme ist bescheiden. Hierfür gebührt den ehrenamtlichen Organisatoren und den vor Ort an und in dem Zug in ihrer Freizeit Arbeitenden der allerhöchste Respekt und Dank. Dieser Bericht soll auch eine Hommage an all diese Aktiven und die vielen weiteren Unterstützer sein.

 

Vorgeschichte:

Im Schulkind-Alter, Ende der 1960er / Anfang der 1970er Jahre hatten meine Eltern kein Auto und wir verreisten grundsätzlich mit der Eisenbahn und mit dem Bus. Wir wohnten in Pirna in Sicht- und Hörweite einer kleinen aber lauten Eisenbahnbrücke der Strecke Bodenbach – Dresden, Teil der internationalen Linie Berlin – Prag – Wien. Mein Hobby war eine TT-Modellbahn; an ihr lernte ich grundlegende Kleinigkeiten des Eisenbahnbetriebs, machte erste Erfahrungen mit mechanischen Fertigkeiten und vor allem stieg ich in die Welt der Elektrotechnik ein (woraus sich später mein Berufsleben entwickelte). Mit der Zeit fand ich es erstrebenswert, auf der Modellbahn Rollmaterial zu haben, welches alltäglich auf der Elbtalbahn zu beobachten war, wobei ich nie ein wirklicher Kenner von Baureihen oder gar bestimmten Fahrzeug-Exemplaren (also z.B. kompletten Loknummern mit Historie des Fahrzeugs) gewesen bin. Wichtig war das markante Aussehen der Schienenfahrzeuge und dessen äußerliche Wiedererkennbarkeit auf der Modellbahn.

Mitte der 1970er Jahre war es immer ein Blickfang, wenn der „Vindobona“ durch Pirna fuhr, eben der Schnelltriebwagen(zug) Bauart Görlitz = VT 18.16 (später SVT 175) auf der Route Berlin – Prag – Wien („VT“ steht für „Verbrennungs-Triebwagen“). Schon der stolze Anblick flößte dem jungen „DDR-Otto-Normalbürger“ solchen Respekt ein, dass man als gewöhnlicher 2.-Klasse-Reisender in normalerweise Abteil- oder Rekowagen, Donnerbüchse, Doppelstockzug oder Ferkeltaxe, oft ohne Sitzplatz, gar nicht auf den Gedanken kam, in so einem „Luxus“-Zug mitfahren zu wollen.

Aber es wuchs der Wunsch, ein Modell dieses Zuges für die TT-Modellbahn haben zu wollen. Es gab ihn ja auch auf keiner besichtigten Modellbahn-Ausstellung! Kaufen: Fehlanzeige. Es gab kein Industriemodell dieses Zuges. Es reifte der Entschluss, einen Selbstbau zu wagen. Dafür wurden die im Besitz befindlichen Schnellzugwagen von Zeuke „AB4üpe“ als Basismaterial erkoren. Dieser Wagentyp entsprach nämlich absolut nicht den Wagen, welche ich aus eigenem Erleben kannte – hatte aber die passenden Proportionen und Formen für den SVT; bei den Mittelwagen waren faktisch nur die Rundungen der Dachkanten abzufeilen (und natürlich eine Neulackierung durchzuführen), um den optischen Grund-Eindruck des SVT zu erreichen. Über weitere Details dieses – nie vollendeten – Modellbaus will ich hier nicht berichten.

„Vindobona“ war und ist übrigens nicht der Name dieser Eisenbahnfahrzeuge! Es ist der Name der Zugverbindung Berlin – Prag – Wien, welche über Jahrzehnte existiert und schon von verschiedensten Fahrzeugen bedient wurde. Es ist das lateinische Wort für die frühere römische Siedlung in der Nähe der heutigen Stadt Wien. Züge der Bauart Görlitz bedienten u.a. auch Verbindungen mit den Namen „Neptun“, „Berlinaren“, „Karlex“ und „Karola“.

Es war natürlich erforderlich, eine Zeichnung zu haben, wie das Modell denn fertig aussehen soll. Irgendwelche Wege, um an vorhandene Zeichnungen oder Detail-Fotografien zu gelangen, waren mir als Schulkind vollkommen fremd (ein paar zufällig vorhandene Fotos in Zeitungen und Broschüren gab es natürlich). Ich hatte auch keinen Zugriff auf einen brauchbaren Fotoapparat. Also: die Fahrpläne waren zur Hand – immer wenn es sich einrichten ließ, an die Strecke gehen, Vindobona gucken, Augenmerk auf bestimmte Details richten und dann aus der Erinnerung aufzeichnen! 

So ermittelte ich die Fensteraufteilung und die Positionen von Klappen, Lüftern und anderen Details auf den Dächern (Letztere beobachtet von der Straßenbrücke über die Bahnstrecke und über die Elbe).

Unten ist  meine damalige „Konstruktionszeichnung“ des Maschinenwagens zu sehen. Räder / Drehgestelle brauchten nicht dargestellt zu werden. Dafür sollten als Laufdrehgestell das am Schnellzugwagen vorhandene, und als Triebdrehgestell das der aus ähnlichem Beweggrund schon umgebauten Diesellok (DB V 200 umgebaut in die DR V 180) aus der Bastelkiste verwendet werden.

Mit dem Ende der Schulzeit und Beginn der Lehrausbildung in Leipzig war dann kaum noch Zeit für die Modellbahn, auch durch neue Interessengebiete, die meine Zeit beanspruchten. Inzwischen fuhr man auch nur noch „notgedrungen“ mit der Eisenbahn, denn die Eltern hatten einen Trabi und ich selber dann auch ein MZ-Motorrad. Es blieben nur die Fahrten mit überfüllten D-Zügen zwischen Leipzig und Dresden auf sehr günstige Schülermonatskarte, später zwischen Berlin und Dresden im Urlaub vom Wehrdienst und mit der S-Bahn Berlin bzw. Dresden, hier im auch oft sehr vollen Doppelstockzug. Wie der Zufall es wollte, hatte ich im Frühling 2026 ein Wiedersehen mit dem genannten Doppelstockzug. Eine der wenigen, letzten erhaltenen Einheiten steht im Bw Arnstadt, leider in recht trostlosem Zustand. Ich finde diese ebenfalls aus Görlitze stammende Baureihe DB13 / DBv ähnlich legendär wie den SVT Görlitz und bedaure sehr, dass es kein betriebsfähiges DR-Exemplar mehr gibt.

Die SVT-Züge waren zwar nun auch auf DDR-internen Schnellzugrelationen unterwegs (auch für Normalbürger nutzbar), aber nicht auf den von mir befahrenen Strecken. Mit der Eisenbahn zu reisen, außer mal mit den touristischen Dampfbahnen, war uninteressant geworden. Daher fuhr ich damals auch nie „zufällig“ in einem SVT Görlitz auf Inlandstrecken mit.

In den 1990er Jahren begann dann meine erneute Zuwendung zum Thema Eisenbahn: Das neue Angebot, selber eine Dampflok fahren zu dürfen, war hochinteressant, ich wurde mit 10-tägiger, selbst bezahlter Ausbildung bei der DR-Schmalspurbahn Zittau – Oybin – Jonsdorf  zum Ehrenlokführer. Die neuen Einblicke in die tatsächliche Technik und den realen Eisenbahnbetrieb zogen meine Aufmerksamkeit auf sich. Auch der historische und nostalgische Wert der SVT-Görlitz-Züge wurde mir nun erst richtig bewusst. Neben anderen Dingen, die ich wenigstens einmal erleben wollte, wie eben das eigenhändige Fahren eines echten Zuges, das Ballonfahren u.a.m. was einem im Alter von 30+ so durch den Kopf geht, kam auch die Mitfahrt in einem SVT Görlitz auf die Wunschliste. Inzwischen war nur noch 1 von ehemals 8 eingesetzten Garnituren in Betrieb und machte teure Touristik-Fahrten als DB-Museumszug. Zu so einer Mitfahrt hatte ich mich dann auch Anfang der 2000er Jahre entschlossen und hatte eine Fahrkarte bestellt. Doch da kam die Meldung, dass der Zug vorfristig außer Betrieb genommen wurde (wohl wegen eines Schadens, dessen Reparatur sich bis zum bevorstehenden Fristablauf nicht mehr gelohnt hätte). Schade, alle vorherige Chancen verpasst! Nur noch Hoffnung, dass die Garnitur einmal wieder aufgearbeitet werden würde.

Ab und zu, durch das neu aufgekeimte Eisenbahn-Hobby, angestachelt vom aktiven Clubleben bei den DR Ehrenlokführern, begegneten mir abgestellte SVT-Görlitz-Züge in Berlin und in Chemnitz, die ich auch aus der Nähe beschnarchte, wie wir Sachsen zu sagen pflegen. Auch die Meldungen über den Verbleib des dritten erhaltenen Zuges bis zur Übernahme durch das DB Museum Nürnberg verfolgte ich. Ich sammelte Infomaterial zu dem Thema und nahm mir vor: Wenn es einmal zu Aktivitäten einer Aufarbeitung kommen würde, bin ich sofort mit finanzieller Unterstützung des Vorhabens dabei, damit ich einmal in diesem Zug mitfahren kann! Aber viele Jahre lang passierte nichts in dieser Richtung.

Der „kleine Traum“, ein TT-Modell dieses Zuges auf der Modellbahnanlage einsetzen zu können, erfüllte sich während der 2000er Jahre – die Firma Kres brachte auch in meiner Nenngröße Modelle in verschiedenen Lackierungs- und Beschriftungsvarianten heraus. Ich entschied mich für den Kauf der in meinen Augen schönsten Variante als VT 18.16 mit blauem Zierstreifen. Das Selbstbau-Projekt war damit endgültig „gestorben“.

2017 erlebte ich eine gesundheitliche Zäsur – dem Sensenmann bin ich zum Glück noch von der Schippe gesprungen, dank der Ärzte und viel Unterstützung von allen Seiten. Ich kam nach der OP ohne dramatischen Verlust meiner allgemeinen Kondition wieder auf die Beine.

So sollte Frieders Traum einmal werden …

Ein ganz anderer Görlitzer, aufgenommen in Arnstadt

Aber nach diesem Ereignis, begleitet von der Einsicht, sich auch Gedanken um seine eigene Endlichkeit machen zu müssen, kreisten natürlich die Gedanken auch um das was man eigentlich im Leben noch schaffen und erleben möchte. Und wie lange wird die „Reparatur“ halten? Wird die parallel entdeckte, ebenfalls gefährliche, schleichende Erkrankung fortschreiten? Wie viele Jahre für aktives Leben werden mir noch bleiben? In Bezug auf das Erlebnis der Mitfahrt im SVT Görlitz tendierte nun die Wahrscheinlichkeit der Erfüllbarkeit des Wunsches in Summe aller Umstände gegen Null.

Zum Glück kam ich relativ zügig wieder ins annähernd normale Leben zurück und mir geht es bis heute, 9 Jahre danach, ziemlich gleichbleibend gut. Aber die SVT-Görlitz-Züge rotteten weiter vor sich hin.

 

Aus der Hoffnung wird doch Realität!

Bald darauf ergriffen einige Eisenbahner, die früher beruflich mit dem SVT Görlitz verbunden waren die Initiative, die Wiederinbetriebnahme der zuletzt außer Betrieb gegangenen Garnitur organisatorisch, praktisch und finanziell in die Hand zu nehmen. Vereinbarungen mit dem DB Museum gelangen mit sicher sehr viel Überzeugungsarbeit, und die geschleppte Überführung des Zuges vom „Zwischenlager“ in Lichtenfels nach Dresden im März 2019, zwecks Start der Aufarbeitung, ging durch die Medien. Dresden! Gleich bei mir um die Ecke, direkt neben dem Eisenbahnmuseum im Bw Dresden-Altstadt, dem ich inzwischen vor allem durch dessen damalige Angebote für Ehrenlokführer recht eng verbunden bin, obwohl es mir wegen vielerlei anderer Ablenkungen nicht möglich ist, selber in so einem Eisenbahnverein handwerklich tätig zu werden. Die ersten Schritte der Aufarbeitung, getragen von vielen freiwilligen, fleißigen „Arbeitskräften“, konnte ich so auch direkt in Augenschein nehmen.

Den Initiatoren unter der Führung von Mario Lieb und Ingo Kamossa ist es, in Form eines gemeinnützigen Unternehmens (SVT Görlitz gGmbH) mit hervorragendem Gespür und glänzenden Ideen gelungen, eine äußerst breite Masse von Eisenbahnfreunden auf verschiedenste Weise und auf verschiedensten Ebenen zur Unterstützung des Vorhabens zu gewinnen. Mein Entschluss stand ja schon fest: Ich unterstütze in angemessenem Maße finanziell. Hinzu kam dann noch eine gewisse ideelle Unterstützung in meiner Funktion als NFS-Redakteur – ich veröffentlichte fast regelmäßig Berichte über die Fortschritte und Probleme des Projekts. Ich bin sogar zu Pressekonferenzen eingeladen worden.

Konkret begann die Unterstützungs-Kampagne 2019 mit einem als „Crowdfunding“ bekannten Finanzierungsschema, das von den Initiatoren des Projekts „Ein Zug für Mitteldeutschland“ spaßig „Krautfunding“ genannt wurde und „Startschuss 2019“ hieß. Die Anzahl der Beteiligungen mit Beitrags-Einzahlungen wurde auf 555 limitiert, die Einzahler erhielten schöne Poster mit der Registriernummer drauf, und es wurde (sehr geschickt!) damit „gelockt“, dass unter diesen Einzahlern, also den ersten öffentlich geworbenen finanziellen Unterstützern, 25 Fahrkarten für die künftige Erstfahrt verlost werden.

Das hat mich sofort überzeugt, ich erwarb 2 Anteile und – gewann 1 Fahrkarte!!! Die Fahrkarte wurde dann auch symbolisch als kleines Modell-Zuglaufschild an die Gewinner übergeben – ein wunderbares Souvenir.

Ab und zu kam wieder der Gedanke hoch: Der Zug soll in 5 Jahren fertig werden, das wäre 2024, 7 Jahre nach meinem gesundheitlichen „Warnschuss“ … Ob ich den Zeitpunkt erleben werde? Und es kann länger dauern, oder scheitern … Sie wissen, in den Folgejahren durchlebten wir mehrere Krisen (z.B. hat auch „Corona“ Kollegen aus unserem Kreis gerissen) … Es grenzt fast an ein Wunder, dass der Zug 2026, nach 7 Jahren Aufarbeitung mit mehreren vorher ungeplanten Hindernissen und neuen Herausforderungen, tatsächlich in Betrieb gehen konnte!

Jedenfalls trat ich 2020 auch sogleich dem von der SVT Görlitz gegründeten „Club der 175“ bei – Mitgliederzahl auf 175 limitiert – mit der Verpflichtung, jährlich eine Spende in bestimmter Mindesthöhe beizutragen, und natürlich gibt es als Gegenleistung Informationen aus erster Hand und zusätzliche Gelegenheiten, das Geschehen vor Ort zu verfolgen. Mitgliedsnummer 77.

Auch die von der gGmbH oder dem Club der 175 immer wieder neu aufgelegten Souvenir-Ideen, jährliche Themen-Kalender, ein Fachbuch zu dieser Baureihe in limitierter Sonderauflage usw. nahm ich meist wahr, was immer zur Finanzierung des Vorhabens mit beitrug. Auch weitere Aktionen zur Spendensammlung für bestimmte Anlässe, wie die Reparatur eines nicht erwarteten 

Motorschadens, oder die Finanzierung des Aufbaus der heutigen Unterstellung in Radebeul, waren vor meiner Beteiligung nicht sicher, wobei erwähnt werden muss, dass meine Frau Katrin quasi 50% aller dieser Finanzspritzen ja auch trägt. Diese Formen der Spenden-Einwerbung funktionierten offenbar dann auch ohne das Versprechen solcher herausragender Dankeschöns wie Tickets für die Erstfahrt(en) schon für „kleine“ Beträge! Wie heißt es so schön: Der frühe Vogel fängt den Wurm.

Zur Einordnung des finanziellen Rahmens: Die Aufarbeitung hatte bisher einen Investitionsumfang von 7 Mio. €. Davon sind 1 Mio. € durch Spendeneinnahmen gedeckt, und 1 Mio. € wurde als ehrenamtliche Eigenleistung (unentgeltliche Arbeitsleistung = Wertschöpfung) kalkuliert. Es kamen also 5 Mio. € an Fördermitteln (zu geringem Teil vielleicht auch Kredite) hinzu.

Seit 2024 erfolgten mehrfach Ankündigungen über die ersten öffentlich buchbaren Fahren mit dem bald fertiggestellten SVT Görlitz, doch die mussten leider immer wieder abgesagt werden. Bei den vielen notwendigen Schritten der Befundung, der Inbetriebnahme von Teilsystemen oder des ganzen Zuges, bei Zulassungsverfahren wie auch bei der externen (teils auch entgeltlichen) Aufarbeitung bestimmter Baugruppen kam es häufig zu Überraschungen oder Verzögerungen, was sich vorher partout nicht planen lässt. Jedoch waren die öffentlichen Ankündigungen wichtig, denn die Vorbereitung von Ausflugsfahrten, einschließlich der Buchungsabwicklung für die Fahrgäste, braucht doch wenigstens ein halbes Jahr Vorlauf; es geht ja nicht um Routine-Erledigungen und fahrplanmäßige Dienste mit angestelltem Personal! Was jedoch nie, auch nicht auf meine persönliche Nachfrage als „Gewinner“ eintraf, das war eine Termin-Prognose für die nicht-öffentliche Eröffnungsfahrt. Ganz schön schwierig, wenn man selber seine sonstigen Reise- und Veranstaltungsaktivitäten langfristig mit mehr als 1 Jahr Horizont planen will bzw. muss! Was dann tun, wenn es zum Terminkonflikt mit der „gewonnenen“, so sehr ersehnten Mitfahrt käme? Die Auskunft der Betreiber war dazu: „Wir werden die Gewinner natürlich rechtzeitig informieren“. Es blieb also bis zuletzt spannend …

Dann gab es ca. März 2026 die Information, dass nun die Erprobungsfahrten (für die Technik) in Kombination mit Schulungsfahrten (für das ehrenamtliche Personal) beginnen. Das bedeutete im logischen Schluss, dass nach erfolgreichem Abschluss dieser Maßnahmen bald die Eröffnungsfahrt dran sein muss. Für den Zeitraum ab Ende des Sommers waren schon wieder Fahrten übers Reisebüro buchbar. Und wir hatten unsere 3-wöchige Urlaubsreise zu Museumsbahnen nach England in den Mai gelegt. Na ob das gut geht? Nicht dass die Eröffnungsfahrt gerade im Mai stattfinden wird?

Die Fortschritte und auch die vorgekommenen Probleme bei den ersten Testfahrten wurden gespannt verfolgt. Über den weiteren Fortgang erfuhr man nicht all zu viel. Während unserer Urlaubsreise „blieb es ruhig“ betreffs Neuigkeiten zum SVT …

Am Abend des 25. Mai kamen wir von der Urlaubsreise zurück. Vom 28.-31. Mai waren wir beim ELF-Stammtischtreffen der Südwestler in Thüringen. Am 1. Juni lag ein Brief der SVT Görlitz im Briefkasten! Datiert vom 28. Mai mit dem Betreff „Einladung zur feierlichen Erstfahrt des VT 18.16 nach erfolgter Hauptuntersuchung“ und der Nennung von 2 Terminen: feierliche Erstfahrt von Halberstadt (Rundfahrt) am 13. Juni und Überführungsfahrt von Halberstadt über Halle (Saale) nach Radebeul am 14. Juni. Natürlich enthielt der Brief auch Hinweise zur Registrierung für eine dieser Fahrten und den Passus, dass man als Eingeladener bei Verhinderung prinzipiell auch an einer zukünftigen Fahrt teilnehmen kann.

Die Terminbekanntgabe gelang also 2 Wochen vor der Eröffnungsfahrt, und ich habe die Info trotz Abwesenheit im Mai nicht verpasst. Nächste glückliche Fügung: Für den Zeitraum 12.-14. Juni stand schon ein unverrückbarer Termin in meinem Kalender – eine seit Oktober 2025 geplante, und durchaus wichtige Reise nach Göppingen zur Vorstandssitzung des Clubs DR Ehrenlokführer. Der Zeitpunkt der Sitzung innerhalb dieser 3 Tage war im Kreise der Vorstandskollegen aber verhandelbar.

Seit Jahren unternehmen wir Reisen wieder vorzugsweise mit der Eisenbahn statt mit dem Auto, auch für Göppingen stand dies nicht in Frage. Bahnfahren ist – neben dem Vorteil, nicht stundenlang Auto lenken zu müssen – vor allem preislich attraktiv, wenn man (wie wir auch) das Deutschlandticket innehat und bei Fernzügen rechtzeitig und mit Fokus auf Super-Sparpreise und Sonderangebote bucht. Die Fahrkarten nach Göppingen und zurück waren noch nicht gebucht, und es gab noch günstige Angebote.

Also vereinbarte ich „Vorstandssitzung nicht am 14.“ und buchte meine Rückfahrt von Göppingen per nächtlichem ICE von Stuttgart nach Halle (Saale) – ein bisschen Halbschlaf musste in dieser besonderen Situation ausreichen! Vorher war natürlich die Entscheidung gefallen, dass ich nicht die „Übergabefahrt“ am 13., sondern die „Heimfahrt“ am 14. Juni wähle. So schlug ich sogar zwei Fliegen mit einer Klappe: kein DB-Ticket nötig von Halle nach Dresden und eine Direktfahrt von der Stätte der Vollendung der Aufarbeitung (VIS Halberstadt) zur künftigen Unterstellung des Zuges in Radebeul, zu dessen „Welcome Party“.

Nun kam es wie es kommen musste: Die doch sehr kurzfristige Terminbekanntgabe hat bei vielen „geladenen Fahrgästen“ dazu geführt, dass sie nicht an diesen Tagen mitfahren konnten. Damit waren die Züge nun gar nicht voll belegt. Der Veranstalter begegnete dieser Situation in 3 Schritten:

Zunächst erhielten alle Mitglieder des Clubs der 175 eine Einladung zur kostenlosen Mitfahrt (vielleicht auch weitere bekannte Spender oder auch ehrenamtliche Aktive, das weiß ich nicht im Detail).

Auf meine höfliche Anfrage, ob ich diese Mitglieder-Einladung auch auf meine Frau übertragen könne (da sie ja „meine“ Spenden mitfinanziert hat) erhielt ich ein „ja“ – und buchte somit auch für Katrin eine kostenlose Fahrkarte.

Wenige Tage vor der Fahrt wurde schließlich noch auf öffentlichen Portalen angeboten, dass Jedermann am Bahnsteig die Zugbegleiter nach Restkarten fragen und gegen Entgelt dann auch mitreisen kann. Sicherheitshalber wies der Veranstalter darauf hin, dass es nur Hin-Fahrkarten gibt und keine für zurück!

 

14. 06. 2026, der Tag des lange ersehnten Erlebnisses

„Langfristig“ kannte ich nur die Vorplanung, dass der SVT Görlitz zwischen 10 und 11 Uhr in Halberstadt abfahren soll. Der konkrete Fahrplan ist erst nach meinem Fahrkartenkauf für die Fernreise Göppingen – Halle bekannt gegeben worden:

Ich kam mit nur geringfügiger Verspätung gegen 07:00 aus Göppingen in Halle an. Katrin hatte sich von Pirna aus mit Regionalzügen um 04:36 auf den Weg gemacht und so trafen wir uns gegen 07:30 im schönen Wartebereich des 2023 preisgekrönten Bahnhofs Halle (Saale). Nun wurde noch ein frischer Kaffee gekauft, und dann ging es gemeinsam um 07:49 mit dem Regionalexpress nach Halberstadt, Ankunft gegen 09:00. Auch hier ein angenehmer, schon 2011 preisgekrönter Bahnhof, eine Bäckereifiliale mit Tischen wie in einem Café und quirligem, fröhlichem Personal sowie eisenbahnbezogener Wand-Deko; da ließ es sich gut frühstücken. Gegen 09:30 sammelten sich dann schon auffallend viele Wartende in der Bahnhofshalle, wir machten Platz für Nachrücker im Café.

Nach einer kleinen Erkundungsrunde rund um das Empfangsgebäude warteten wir lieber wieder drinnen, denn draußen war es recht frisch und regnerisch-windig. Der Fahrplan verriet nicht, um welche Zeit der SVT bereitgestellt werden sollte. Aber man will ja die Einfahrt nicht verpassen, wegen der Foto-Dokumentation! Also immer mal wieder raus gehen um zur Einfahrt zu sehen, und die Abfahrts-Anzeigen beobachten. Der Bahnhof hat nur 3 Bahnsteiggleise und hier kreuzen die Regionalzüge, und zwar sehr nahe an der geplanten Abfahrtzeit 10:24. Wo wird der bessere Fotostandort sein? Auf dem Hausbahnsteig oder dem Inselbahnsteig? Muss Katrin mit der Kamera eventuell „in letzter Sekunde“ schnell noch durch die Unterführung?

Erst als der SVT schon draußen vor dem Einfahrtsignal wartete, kam 10:10 am Bahnsteig 1 die aufklärende Anzeige, nach der es DB-typisch mit einer Gleisänderung los ging. Schöne Fotos von der Einfahrt am Gleis 2 sind uns nicht gelungen. Aber der um 10:13 bereitgestellte Zug war hier fotogener als wenn er am Gleis 1 eingefahren wäre.

Und, wie man leicht sehen kann, der neu aufgearbeitete Zug bekam als Lackierung genau meine Lieblingsausführung, wie das gekaufte TT-Modell! Nur die Betriebsnummern unterscheiden sich …

Die Anzahl der Fahrgäste war überschaubar. Alle hatten Platzkarten, es ging ganz gelassen zu. Die Wagenreihung brachte einen Aha-Effekt: 1,2,5,6 – na klar, 2 Mittelwagen sind noch in Aufarbeitung, und jeder Wagen soll künftig „seine“ Nummer immer behalten!

Schaulustige waren nur in sehr geringer Zahl am Bahnsteig. Die fanden sich dann eher entlang der Strecke, vorzugsweise in der Nähe von Bahnübergängen.

Die Fahrt ging mit DB-typischer, statistisch irrelevanter Zeitverschiebung von etwa 5 Minuten los (also ohne „Verspätung“). Über die gut funktionierende Sprechanlage informierte ein Kollege des Veranstalters „der junge Mann mit dem Bordeaux-roten Jackett im Speisewagen“, wie er sich selber beschrieb, ab und zu die Fahrgäste über Grundlegendes zum Zug, zum Ablauf der heutigen Fahrt, zum Angebot im Speisewagen und von Souvenirs usw. Das Fahrgefühl war angenehm; ruhiger und „weicher“ als in den typischen Reisezugwagen aus DR-Zeiten, aber viel direkter als in heutigen komfortablen Zügen wie dem ICE. Zum guten Gefühl hat sicher auch der recht gute Zustand der befahrenen Strecke beigetragen – oder der SVT hat Stellen mit vielleicht schlechter Gleislage prima „weggesteckt“?

Eine der effektiven Lärmschutzmaßnahmen ist auf einem Foto zu sehen: Teppich unter den Blechen des Wagenübergangs.

Ein Blick in ein 1.-Klasse-Abteil, das noch leer war veranschaulicht, dass der ganze Zug komplett neu gepolstert wurde; es ist eine Augenweide.

Während die Mittelwagen Abteile mit Seitengang haben (ausgenommen der Mitropa-Bereich), sind die Maschinenwagen als Großraumwagen eingerichtet. Das Highlight sind dabei die um 180° drehbaren Doppelsitze mit Klapptischen an den Lehnen. Diese Sitze entstammen nicht dem DR-Fundus, sondern dem Flugzeugbau der DDR. Das Großraumabteil, gehandelt als Comfort-Klasse (zwischen 1. und 2. Klasse einzustufen) bietet als weitere Besonderheit einen Garderobenschrank mit Vorhang (wir haben den leider nur zugezogen abgelichtet).

Im Speisewagen (genauer ist der betreffende Mittelwagen dreigeteilt: Einige Sitzabteile, der Restaurantbereich, und der Küchenbereich) hätten wir uns bewirten lassen können, aber danach war uns heute nicht. Es gab auch Imbiss zum Mitnehmen – selbst geschmierte Brötchen mit Bitte um eine kleine Spende. Das passte für uns auch von der Menge her. Das Essen im Speisewagen behalten wir uns für eine „richtige“ Erlebnisreise, später mal, vor. Ein Foto von der „Mitropa“ zu machen ergab sich irgendwie nicht.

Der DR-Kenner bemerkt aber auch, dass das Interieur zum größten Teil aus ganz DR-typischen Elementen besteht, vom Sprelacart der Wandverkleidung, über die Gepäckablagen, Klapptischchen, Spiegel, Werbetafeln bis zu den klappbaren Aschenbechern. Es gibt in diesem Zug keine Luxus-Ausstattung. Die speziell mit SVT175-Motiven versehenen Vorhänge und andere Teile sind eine schöne Sache, nicht historisch exakt, aber auch nicht aufdringlich. Ähnlich wie mit dem Interieur ist es mit der Technik: Auch diese besteht zum großen Teil aus serienmäßigen Teilen des Lokomotiv- und Wagenbaus der DR, moderne notwendige Ergänzungen sind nicht dominant.

Ganz wichtig: Per Durchsage wurden die Fahrgäste ermuntert, eigenhändig die Fenster zu öffnen – natürlich mit Sicherheitsbelehrung. Der Fenstermechanismus ist mir aus keinerlei anderen Wagen als den schon erwähnten DR-Doppelstockzügen (Konstruktion aus den 1950er Jahren) in erlebter Erinnerung, aber es gibt Belege dafür, dass er auch z.B. in Modernisierungswagen und Speisewagen vorhanden war. Man hat eine Handkurbel ohne Anschlag; ist die Fensterscheibe am Endpunkt angekommen und man kurbelt weiter, bewegt sie sich wieder zurück. Im SVT kurbelt man das Oberteil des Fensters zum Öffnen nach oben, während im Obergeschoss der Doppelstockzüge der untere Fensterteil nach unten gekurbelt wurde (das Untergeschoss hatte Klappfenster). Im Bild ist die bewusste Kurbel über meinem Kopf zu sehen.

Das Wetter war inzwischen schön geworden, und von offenen Fenstern wurde intensiv Gebrauch gemacht. Durch die geöffneten Fenster musste einfach auch der fahrende Zug abgelichtet werden! Die nachfolgenden Fotos entstanden bei Sandersleben und  bei Könnern.

Wir haben auch Aschersleben passiert und dort zum Zustieg gehalten. Vom ausgedehnten Gelände des Museums-Bw dort habe ich Fotos gemacht, doch es lohnt sich nicht, diese hier zu zeigen. Es gab auch keinerlei Begrüßung des SVT-Zuges von Seiten des dortigen Eisenbahnvereins.

Die Landschaft ist beim Bahnfahren oft malerisch, wenn sie nicht mit dem „Modetrend“ Lärmschutzwänden verbaut ist: Leute, reist mit der Eisenbahn, so lange die Landschaft vom Zug aus noch zu sehen ist! Irgendwann wird es zu spät dafür sein. Dann guckt ihr euch die Landschaft während der Fahrt wahrscheinlich per App an. Zum Anblick der Landschaft gesellt sich der „Fotobeweis“, dass ich tatsächlich im Zug mitgefahren bin …

Landschaft während der Fahrt wahrscheinlich per App an. Zum Anblick der Landschaft gesellt sich der „Fotobeweis“, dass ich tatsächlich im Zug mitgefahren bin …

Und schon näherten wir uns dem großen Bahnhof Halle (Saale), wo der Zustieg weiterer geladener oder spontaner Fahrgäste erwartet wurde. Ein paar Schaulustige bevölkerten die Nachbar-Bahnsteige und machten Fotos. Viel mehr passierte aber nicht. Ohne genaue Zahlen zu wissen meine ich, dass nur etwa die Hälfte der Plätze belegt war.

Weiter ging die Fahrt nach Leipzig. Beim dortigen ICE-Werk hatten sich einige Mitarbeiter mit Warnwesten an die Strecke begeben, um den SVT zu begrüßen und zu fotografieren.

Im Leipziger Hauptbahnhof folgte ein etwas längerer Aufenthalt, weil dort ja Kopf gemacht werden muss. Jetzt war Gelegenheit auszusteigen und Fotos von außen zu versuchen. Leider verstehen etwa 50% der Fotografierenden nicht, dass Bilder aus einer angemessenen Entfernung viel bessere Motive bieten als wenn man auf 2 Meter nah an den Zug heran tritt. So verstellen sie das „Schussfeld“ – in 10 Meter Abstand würden viel mehr Leute gleichzeitig Gelegenheit für ein schönes Motiv haben. Wenn sich die Traube gar nicht auflöst, bleibt noch der Blind-Schuss mit ausgestrecktem Arm über die Köpfe hinweg – manchmal gelingt das auch.

Die Schluss- und Spitzenlichter habe ich noch im Schaltzustand der Ankunft in Leipzig festgehalten. Mir gefällt daran ganz besonders, dass sie eine unverfälschte historische Anmutung haben – keine Modernisierungen auf LED-Technik sind wahrnehmbar, vielleicht sind sogar wirklich noch Glühlampen in Aktion! Auch die Leuchtstoffröhren der Innenbeleuchtung wirken authentisch. Die waren damals, als diese Züge gebaut wurden, Top-modern!

Hier in Leipzig stiegen tatsächlich noch relativ viele Fahrgäste zu. Auch in unser Abteil, in dem wir bisher zu dritt waren, kamen zwei Spontan-Mitfahrer.

Die Stimmung an Bord war freudig-gelassen, ansatzweise auch ehrfürchtig. Die Fahrgäste genossen diese Fahrt, bei der auch keine betrieblichen oder technischen Probleme bemerkbar waren.

Über die Trasse der Leipzig-Dresdener Eisenbahn, der ersten Ferneisenbahn Deutschlands auf der auch die erste erfolgreich in Deutschland konstruierte Dampflok „Saxonia“ ihren Einstand gab, fuhren wir nun der neuen Heimat des SVT Görlitz entgegen.

In Oschatz gab es einen kurzen Betriebshalt. Seit dem Modernisierungs-Umbau dieses Bahnhofs versperrt eine extra angelegte hohe Hecke den Blick vom Richtungsbahnsteig nach Dresden zu den Anlagen der Döllnitzbahn. Erst als unser Zug nach einer Überholung wieder anfuhr, ertönte ein Begrüßungs-Pfiff von der Schmalspur-Dampflok „Sä. IVK“, die wir mit ihrem wohl gerade erst angekommenen Zug für einen kurzen Moment zwischen Hecke und Empfangsgebäude dann auch sehen konnten. Unser Triebfahrzeugführer hatte den Dampfzug wahrscheinlich gar nicht zu Gesicht bekommen.

Zwischen Riesa und Coswig (b. Dresden) blieben wir auf der historischen Trasse, die durch den Einschnitt beim aufgeschlitzten früheren Tunnel Niederau führt. Diese wird heute regulär nicht mehr von Fernzügen befahren; die werden über eine Neubaustrecke geleitet, welche bei Großenhain von der Strecke Dresden – Berlin abzweigt. Kurioserweise laufen derzeit Planungen, bei Oberau (also nahe Niederau) genau diese ebenfalls historische Berliner Strecke mittels eines neuen Tunnels zu begradigen.

Was mir am Erlebnis dieser Zugfahrt fehlte: Ich hätte gern erfahren, wie sich die Reise mit 140-160 km/h seinerzeit auf Strecken mit gelaschten Schienen angefühlt hat. Heute fuhr der SVT max. 120 km/h (und ist ganz bewusst auf nur noch 140 km/h zugelassen) und durchweg über geschweißte Schienen.

Bei unserer Ankunft in Radebeul-Ost war leider kein Dampfzug der Lößnitzgrundbahn in Reichweite. 

Alle Fahrgäste mussten nun aussteigen. Eine Mitfahrt über das Anschlussgleis zur neuen Leichtbauhalle war nicht vorgesehen.

Nach dem Sammeln auf dem Bahnhofsvorplatz folgten die „geladenen Gäste“ dem jungen Mann mit Bordeaux-rotem Jackett zu Fuß entlang des Wirtschaftswegs zum alten Güterboden, Schmalspur-Bw u.a.m. bis zum kleinen Tor im Zaun des Firmengeländes der Arevipharma, wo sich die Anschlussbahn befindet.

Hier wurden nur wir Fahrgäste – mit individueller Fahrkartenkontrolle – eingelassen. „Laufkundschaft“ bzw. Personen, die sich unabhängig von der Zugfahrt für den Empfang auf der Anschlussbahn angemeldet hatten, wurden hier abgewiesen und mussten weiträumig außen herum gehen, um zum straßenseitigen Zugang des Geländes zu gelangen.

Nun war mir natürlich wieder an einem guten Fotostandort gelegen. Ich fand ihn als letzte Lücke auf einem bereits gut besetzten Schwellen-Stapel nahe des Zufahrt-Tores. Mit derselben Kamera sind mir (nacheinander!) sowohl ein kurzes Video mit Typhon-Signal als auch passable Fotos von der Einfahrt des SVT Görlitz um 14:19 gelungen.

Auf dem Gelände waren Infostände aufgebaut, Ehrenamtliche versorgten das Publikum mit Imbiss und Getränken, ein Toilettencontainer war aufgestellt, und in die neue Halle konnte von einem Seiteneingang aus ein Blick geworfen werden. Der Zug blieb auf dem Zufahrtsgleis stehen, es wurden Tritte angestellt und es bildeten sich Schlangen zur Besichtigung des Zuginneren (Durchgang nur in eine Richtung!). Nun, hier brauchten wir uns natürlich nicht mit anzustellen … Und viele Leute wuselten herum auf der Suche nach Fotomotiven, oder um sich Details der Fahrzeuge aus der Nähe anzusehen.

Das Wetter hatte bis jetzt gut ausgehalten, nun zogen sich über uns Wolken zusammen. Der Zug bekam eine Ankunfts-Taufe direkt aus höheren Sphären. Und dann wurde es wieder schön – solche Geschichten kann unsereins nicht erfinden, die passieren einfach, man muss sie nur wahrnehmen.

Zum Abschluss gelangen mir auf der Radebeuler Anschlussbahn noch die beiden letzten Fotos dieses Berichts. Dann machten wir uns über den Straßen-Zugang zufrieden und begeistert über diesen Erfolg der vielen Aktiven und Unterstützer auf den Heimweg mit der Straßenbahn und S-Bahn Dresden nach Pirna, wo wir etwa gegen 17 Uhr ankamen.

 

Ich möchte Ihnen noch kurz vereinfacht erklären:

Die SVT Görlitz gGmbH ist als Halter für die Technik des Zuges, seine Betriebszulassungen usw. zuständig. Dazu zählt auch das Einwerben von Spenden und Fördermitteln zur Aufarbeitung / Instandhaltung usw. Die Aufarbeitung ist noch nicht abgeschlossen – zwei weitere Mittelwagen sollen den Zug so bald wie möglich ergänzen, was aus mehreren Gründen wichtig ist. Einerseits kann nur mit vielen Plätzen im Zug ein wirtschaftlicher Reisebetrieb abgebildet werden; andererseits fehlt dem Zug noch – dem historischen Hintergrund entsprechend – eine barrierefreie Mitreisemöglichkeit, die mit einem der weiteren Mittelwagen verfügbar gemacht werden soll.

Für den Betrieb des Zuges, also für Personal und Material zur Durchführung der Fahrten, Verköstigung der Reisenden usw. wurde eine separate Institution gegründet, der Förderverein VT 18.16 e.V., welcher zum Teil auch Sonderfahrten auf eigene „Vermarktung“ anbieten möchte, aber auch die kommerziell vermarkteten Fahrten (mit) absichern wird. Zudem unterstützt er nach Kräften die SVT Görlitz gGmbH bei ihren Aufgaben.

Die kommerzielle Vermarktung langfristig geplanter, buchbarer Reisen mit dem SVT Görlitz erfolgt durch das Reisebüro Rainer Maertens in Dresden, das sich seit Jahren u.a. auf Nostalgie-Zugreisen spezialisiert hat.

Tipp: Wolfgang Dath: Die Schnelltriebwagen der Bauart „Görlitz“ – Der Triebwagenschnellverkehr in der DDR. EK-Verlag Freiburg 2024, ISBN 978-3-8446-6061-6, 49,90 €, vergriffen / vorbestellbar.

Nun hoffe ich, dass Ihnen dieser Bericht einen guten Eindruck von unseren Erfahrungen bereitet hat, vielleicht das Interesse am Reisen mit der Eisenbahn und speziell mit diesem tollen Zug aufgefrischt hat, und wir vielleicht auch mal einen Bericht aus dem Leserkreis erhalten können, wie Ihre erste oder soundsovielte Fahrt mit diesem Zug verlaufen ist. Es muss ja nicht gleich so eine große Ausarbeitung sein.

 

Dafür wünschen wir Ihnen schon mal, und allzeit auch dem SVT „Görlitz“ mit seinen Personalen, Gute Fahrt!